Was ich über die NHL weiß – oder: wie ich gelernt habe, Eishockey zu lieben

Falls der Titel es noch nicht gesagt hat, will ich hier noch mal den Hinweis geben, dass ich König Fußball als den Goldstandard (aner)kenne und vornehmlich mit der deutschen Sportlandschaft vertraut bin. Viele Dinge auf dieser Liste fallen demzufolge unter die Kategorie: „Verrücktes aus Amerika“. Wer mit solchen interkulturellen Vergleichen nichts anfangen kann, der wird auch diesen halbgewalkten Essay stinklangweilig finden. Intellektuelle Bäume werde ich wohl ohnehin nicht ausreißen. Aber ich finde es spannend, aufzuzeigen, dass man Dinge auch anders machen kann. Und manche dieser Unterschiede können einen dazu bewegen, sich zu fragen, ob das, was einem so vertraut und natürlich erscheint, nicht vielleicht doch verbesserungsfähig ist. Es gibt eben nicht den einen Königsweg (wohl aber viele Holzwege).

  1. Zur Veranschaulichung will ich dann auch gleich mal mit einem ersten, feinen Unterschied beginnen. In der NHL wird die Heimmannschaft in der Bildanzeige oder dem Spielplan nicht als erstes Team gelistet. tumblr_lxpq3hyiI21qcq5pe Da denkt man sein ganzes Leben, das wäre die einzige Möglichkeit und dann werden einem die Illusionen geraubt.
  2. Die Fans scheinen das Fan-sein auch ohne Fangesänge aushalten zu können. Erster Eindruck der NHL: alles ganz schön ruhig hier. Bild da, Ton nicht. Dabei gibt es doch nichts Schöneres als nach dem Tor der eigenen Mannschaft vom Stadionsprecher gefragt zu werden, wie denn der neue Spielstand der eigenen Mannschaft lautet, um, wenn das abgehandelt ist, dann aus vollstem Halse und mit der entsprechenden Schadenfreude den Spielstand der gegnerischen Mannschaft zu verkünden: „NULL!“ Es ist immer null, Freunde. Immer.
  3. Und in Amerika alles ohne Stehfraktionen, ohne Banner oder Choreografie (dafür aber mit dem Schwenken von Handtüchern). Aber diese Punkte sind dann doch NHL- statt Eishockey-spezifisch. In der KHL, EBEL, SHL und DEL gibt’s die Trommeln, Gesänge und schadenfrohe Stadionsprecher nämlich.
  4. Die Geräuschkulisse hat also den gewohnten Pegel erreicht. Jetzt muss nur noch das Bild stimmen. Der nächste Schock kommt aber schon während des Spiels. Da werden verschwitzte Spieler oder Trainer an der Bande vors Mikrofon gezerrt und nach der Taktik im zweiten Drittel befragt. Viel Wissenswertes kommt dabei natürlich nicht rum, denn erstens hört der Feind (über die Stadionlautsprecher) mit und zweitens will der Trainer eigentlich nur in die Kabine verschwinden, um seine Mannschaft zusammenzuscheißen. Aber selbst da gibt es kein Entkommen. Interviews werden nicht vor der vertrauten Sponsorenwand abgehalten, sondern in der Umkleide. Das bedeutet mehr Schweiß, noch weniger Information, dafür aber mehr Männer in Unterwäsche.
  5. Auf den Schock erst mal ein genauerer Blick auf die sechs Leute auf dem Spielfeld. Diesmal angezogen. Die Trikots kommen in der NHL ohne Hauptsponsor aus, wenn man mal von den Logos der Spielgeräthersteller absieht. In der DEL geht man da den Weg der Litfaßsäule. Ganz nach dem Motto: Das Kleingedruckte liest eh keiner. Bandenwerbung haben beide. Europa (EBEL, KHL, DEL, SM-liiga) trumpft aber wieder mit Eisflächenwerbung auf. Besonders schön sind da die dunklen Sponsorenlogos auf dem Bully. Wenn die Scheibe fällt, heißt es dann nämlich „wer suchet, der wird finden“.
  6. Irgendwie muss aber Geld in die Kassen der NHL gespült werden. Die perfide Idee: Warum nicht das Spiel für eine kurze Werbepause unterbrechen? Als ich zum ersten Mal Opfer dieser heimtückischen Attacke wurde, konnte ich’s kaum glauben. Wurde da etwa das Livespiel abgesetzt, um mir Versicherungen zu verkaufen? Und wenn jetzt ein Tor fällt? Alles nicht ganz so dramatisch. Die Spiele in der NHL werden einfach regulär für Werbepausen abgepfiffen. Und dann nach zwei Minuten wieder angepfiffen. Für jemanden, der 45 ununterbrochene Halbzeitminuten im Fußball gewöhnt ist, ist das allerdings die reinste Zumutung. Die Werbepausen haben mich am Anfang so aus dem Spielfluss gerissen, dass ich aus Frustration abgeschaltet habe. Wäre ja schön, wenn ich jetzt sagen könnte, dass das in der DEL nicht passiert. Aber da bin ich wohl etwas zu spät dran, denn in der letzten Saison wurde mit den regulären Werbepausen im Drittel auch in Deutschland begonnen. Da könnte man ja meinen, ein Spiel, das sowieso zwei recht lange Pausen hat, braucht so was nicht. Falsch gedacht, Freunde.
  7. Ich glaube ich hatte an anderer Stelle schon erwähnt, dass ich ziemlich spät zur Party erschien. Die Hauptsaison war da in der NHL schon längst ausgewürfelt. Alle anderen Ligen hatten auch die Play-offs schon durchgespielt. Naja, konnte ich mich ja mal mit der Tabelle der NHL (und, seien wir ehrlich, den Namen der Teams) vertraut machen. Vorausgesetzt natürlich, man findet sich durch den Abkürzungswust und hat ein Lineal parat. Wow, das bestätigt mal wieder alle meine Vorurteile, namentlich das, das den Amerikanern eine Statistikversessenheit attestiert. So sieht dann die Tabelle aus (Vorsicht, Spoiler für 2012/13!). Man kann es sich auch kompliziert machen, wenn es doch so einfach geht, dachte ich mir, und wollte nur mal kurz einen Blick auf die Bundesligatabelle der letzten Saison werfen, nur um dann festzustellen, dass unsere Tabellen genauso verwurstelt sind. Einziger Unterschied ist die Präsentation in mehreren Tabellen. Da wird dann eine Heim- und eine Auswärtstabelle erstellt, eine für Hin-und Rückrunde und die Kreuztabelle. Es gab auch mal eine die „Streaks“ (der berühmte Lauf) angezeigt hat, aber dank der Generalüberholung auf der offiziellen Bundesligaseite kann ich die nicht mehr finden.
  8. Ich müsste jetzt eigentlich zurückrudern und sagen: Die Amerikaner sind doch nicht so besessen von Statistiken. Sind sie meines Erachtens aber doch. Man muss nur mal fünf Minuten den Kommentatoren der NHL zuhören, um zu wissen, dass hier mit ganz anderen verbalen Waffen gekämpft wird. Da werden plötzlich vergangene Play-off Erscheinungen aus der Schublade gekramt, oder mal eben die Karriere-Punkte eingeworfen. Der Save-Percentage der Torhüter darf natürlich auch nicht fehlen. Die Folge ist ein ununterbrochenes Reden und da das einer alleine kaum schaffen kann, wird in Amerika mit zwei Kommentatoren gearbeitet.

In wenigen Tagen gehts mit Teil 2 weiter…

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