Was ich über die NHL weiß – oder: wie ich gelernt habe, Eishockey zu lieben (Teil 2)

    1. Wenn ich es recht überlege, ist das Verwirrende an der NHL Tabelle ja die Tatsache, dass hier in Conference und Division unterteilt wird. In der Bundesliga spielt jedes Team jedes andere Team zweimal pro Saison, einmal daheim, einmal auswärts. In der NHL lautet die Vorgabe wahrscheinlich: „Spiel jedes Team deiner Division sechsmal, dann vier Teams der anderen Division deiner Conference zweimal und wer den Heimvorteil in den fünf Spielen gegen die restlichen Conferences hat, wird noch ausgewürfelt.“ Oder so ähnlich. So richtig bin ich da noch nicht durchgestiegen. division nhl 2013Aber das ist ja das Schöne am neuen Spielzeug. Man hat noch nicht alles ausprobiert. Es gibt noch Klärungsbedarf. Der Barbie wurden noch nicht alle Haare abgeschnitten. Alles, was ich bis jetzt über die NHL weiß, ist, dass die 30 Mannschaften auf je 82 Spiele kommen, was die einfache Hin-und Rückrunde als Variante schon mal ausschließt.
    2. Der letzte Punkt verdient aber einen eigenen Eintrag in dieser Liste. Deshalb nochmal in Schreibschrift: Eine Mannschaft spielt gegen eine andere Mannschaft mehr als zweimal pro Saison. Verrückt, oder?
    3. Dank meiner rudimentären Kenntnisse der NFL (Danke, Christian!) kamen die nächsten Unterschiede zum deutschen Sportsystem nicht als Schock, aber erwähnen sollte ich sie trotzdem: (1)  Es gibt eine Gehaltsobergrenze (salary cap).  (2)  Klubs können sich die Rechte an jungen Talenten aus den Amateurligen sichern. Die so zu Höherem berufenen Spieler sind dann für mehrere Jahre an diesen Klub gebunden. Das Konzept ist so befremdlich, dass es dafür keine deutsche Entsprechung gibt. Also werde ich von jetzt an „entry draft“ (oder nur „Draft“) benutzen. (3)  Eine  Spielergewerkschaft ist dafür verantwortlich, einen Tarifvertrag auszubuffen (genannt CBA).
    4. Diese Institutionen gibt es in allen amerikanischen professionellen Sportligen und sie laufen so ziemlich allem zuwider, was ich im Allgemeinen vom „Ligabetrieb“ der großen europäischen Fußballligen weiß. Nehmen wir mal nur den Draft. Mal abgesehen davon, dass Klubs davon befreit sind, ihre eigenen Talente auszubilden, bedeutet eine schlechte Saison eine hohe Draftposition. Mit anderen Worten: Sportliches Versagen wird belohnt. Wie das in seiner logischen Konsequenz aussehen kann, kann man in dieser Geschichte der Chicago Blackhawks der Saison 2003/04 lesen. Oder folgendes Zitat überfliegen:

      In the second to last game of the year, Mr. Munro stood on his head for 60 minutes in goal, stopping 41 of 42 shots by the equally terrible Phoenix Coyotes before surrendering a goal in overtime. In the NHL a loss in overtime is worth 1 point in the standings (compared to two for a win, zero for a loss). That one point knocked the Blackhawks out of contention for the first draft pick; instead they ended up with the third.

      Der ganze Artikel beschäftigt sich mit der Tatsache, dass Chicago die gesamte Saison hingeschmissen hat, um einen besseren Draftpick zu bekommen. Im Fußball gibt’s dafür nur eine Belohnung: Abstieg (und vielleicht auch einen Anruf vom Staatsanwalt wegen Schiebung). In der NHL, einer geschlossenen Liga, wird den Klubs mit jungem Blut auf die Beine geholfen. Überhaupt: Draft, CBA und salary cap haben das Ziel, die Liga finanziell und sportlich auf einer Linie zu halten.

    5. Die NHL glänzt mit dem Trikotdesign der 1920er, komplett mit Schnürung am Kragen und Schriftzügen, die definitiv vor Grafikprogrammen entwickelt wurden. vancouver millionaires jersey Sehe ich da etwa nostalgische Verklärung für die Vergangenheit am rosaroten Horizont schimmern? Oder vielleicht eine gewisse Tendenz sich selbst auf die Schulter zu klopfen?
    6. Neben einer der ältesten Trophäen im Sport gibt es in der NHL jede Menge Buntblech zu verteilen. Da zeigt sich aber vor allem, dass Geschmäcker sich in 80 Jahren ganz schön ändern können. Nehmen wir nur die Conn Smythe Trophy. Von oben filigrane Blattwerk, von vorn einem Miniaturmausoleum zum Verwechseln ähnlich, von innen hohl, von unten eventuell doch als Blumentopf zu gebrauchen.  boston-bruins-tim-thomas-w-conn-smythe-trophy
    7. Neben der geballten Ladung Tradition darf natürlich auch der Patriotismus nicht zu kurz kommen. Das hat mich jedenfalls mit der kanadischen Hymne vertraut gemacht und ich glaube, am dritten Spieltag der nächsten Saison kann ich auch bei der amerikanischen durch Textsicherheit glänzen. Obwohl das nicht nötig ist, denn die Leute werden im Stadion zwar dazu aufgerufen, aufzustehen, Mitsingen ist aber unüblich. Darf man den Amerikanern aber nicht verübeln, schließlich geht der Tonumfang der Hymne über die Möglichkeiten der meisten Menschen hinaus.

In Teil 3 geht es weiter mit einigen Sonderlichkeiten zum eigentlichen Spiel.

(Das Canucks Jubiläums Gif habe ich mit Hilfe von Instagiffer aus einem CTV Video gezogen. Der Typ mit der Conn Smythe Trophy ist Tim Thomas. Die hat er wohl 2011 im Dienste der Boston Bruins gewonnen.)

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