Was ich über die NHL weiß – oder: wie ich gelernt habe, Eishockey zu lieben (Teil 3)

  1. Schon bei Punkt 16 angelangt und noch immer kaum etwas über den eigentlichen Sport geschrieben. Tja, also wie war das mit dem Auspacken der neuen Barby zu Weihnachten? Wie war der erste, so wichtige Eindruck für mich als blutige Anfängerin? Zuallererst war da die enorme Schnelligkeit, die das Spiel von einem Tor zum anderen jagt. Die war so ungewohnt, dass ich anfangs Probleme hatte, der Scheibe zu folgen. Und obwohl ich nicht ganz unbeleckt mein erstes Spiel nachts um halb drei am PC verfolgt habe (wer’s wissen will: Play-off-Spiel  zwischen Pittsburgh und Boston am 2. Juni 2013), war ich so ins Spielgeschehen versunken, dass ich die Einwechselungen nicht mal bemerkt habe. Ganz anders als die zeitschindenden Einwechslungen im Fußball. Das, was man im Fußball über 90 Minuten mit Spannung verfolgt, ist im Eishockey zu einem reinen Schlagabtausch verdichtet.
  2. Wenn ich blutige Anfängerin sage, meine ich das auch. Vor meinem ersten Eishockeyspiel wusste ich nicht mal, wie viele Spieler im Spiel sind. Ich habe mir vor Spielbeginn einen groben Überblick über die Regeln verschafft und dann ging es auch schon los. Als Fußballfan findet man allerdings viel Vertrautes. Icing? Das ist der Eckball nach dem Torlinienaus. Penalty? Shootout? Kenne ich als Elfmeterschießen. Es wird abgepfiffen sobald der Torwart seine Hand um den Puck schließt? Scheint logisch. Rudelbildung nach einer strittigen Entscheidung? Kenn‘ ich, kenn‘ ich. Okay, da hat gerade einer ausgeholt und dem anderen eine verpasst. Das ist etwas ungewohnt. bruins carolina fight
  3. Und wohl auch der Punkt, den ich auf keinen Fall auslassen darf. Okay, also Fighting. Ich würde gerne sagen, dass ich es nicht brauche und es mich nicht stören würde, wenn impromptu Boxkämpfe komplett aus dem Sport verschwinden würde. Geht ja eh ganz schön zur Sache. Aber die hässlichen Seiten sind eben auch faszinierend.
    Ich habe genau hingeguckt wie viele Zähne der Typ bei 0:45 nun ausgespuckt hat. Aber wenn die ganze Kämpfe nur ab und zu vom Spiel unterbrochen werden (wie in dem Spiel, aus dem das Gif stammt), wird’s auch langweilig.
  4. Nochmal zum Draft: Es muss schon ganz schön befremdlich sein, als Spieler kaum Kontrolle darüber zu haben, bei welchem Verein (ich sollte wohl „Franchise“ sagen) man landet. Und so richtig durchgestiegen bin ich noch nicht durch den Ausleseprozess. Spieler haben wohl Berater, aber inwieweit sie steuern können, wer sie im Entry Draft auswählt, weiß ich nicht. Aber ein Gutes hat diese egalitäre Verteilung: Auch schlechte Klubs können ein oder zwei hervorragende Spieler haben und diese Spieler bleiben mehrere Jahre bei diesem Klub. Während es in der Bundesliga zwischen den einzelnen Spielzeiten zum lustigen Bäumchen-wechsel-Dich-Spiel ausartet, geht es in der NHL geradewegs gelassen zu. Wer bis 2015 unter Vertrag steht, bleibt auch bis 2015.
  5. Die Fans in der NHL schwenken Handtücher anstatt Schals. Haben die wirklich alle „Per Anhalter durch die Galaxis“ gelesen? Und so ziemlich alle tragen ein Trikot ihrer Mannschaft, was ich auch ungewöhnlich finde. Zumal die Dinger sauteuer sind.
  6. Den Mediarummel um die Hockeyspieler habe ich bereits in Teil 1 abgehandelt (Stichwort: Umkleide). Die PR-Bemühungen der NHL sind damit aber noch lange nicht abgegolten. Eines dieser Aufgebote nennte sich „All Star Game“. Solche Spiele werden ja, zumeist unter Beteiligung der alten Herren, ja auch im deutschen Fußball abgehalten, meist zugunsten eines guten Zwecks oder um einen Großen zu verabschieden. In Nordamerika treibt man es aber mal wieder etwas weiter, macht daraus eine ligaweite, jährliche Pflichtveranstaltung und lässt die Fans entscheiden, wer mitspielt. Das Televoting nennt sich dann All-Star Draft und ist zumindest für mich an Spannung nicht zu überbieten. Eine gewisse Schadenfreude ist sicher auch dabei, aber ich bin halt ein großer Fan vom „Eurovison Song Contest“. Auch die „Skills Competition“ der letzten All-Star Games in KHL und NHL habe ich mir angeschaut.

Mittlerweile wurde mir der Wunderbeutel leider schon abgenommen. Ich habe am 15. Juni 2013 begonnen, diese Liste zu schreiben, mit dem Ziel meine ersten Eindrücke festzuhalten. Meine ersten Eishockey Spiele waren die NHL-Play-offs und das ist sicher dem späten Ende der 2012/13 Saison und der Tatsache, dass ich gerade mein Studium abgeschlossen hatte, geschuldet. Wer weiß, ob ich sonst je begonnen hätte, Eishockey zu schauen.

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