Alles eine Frage der Herkunft

KHL-Klubs ist es erlaubt, fünf ausländische Spieler zu beschäftigten. Dabei gilt derjenige als Ausländer, der nicht die Nationalität des Landes hat, in dem der Klub seine Spielstätte hat. Für die neuen KHL-Mitglieder Medvescak Zagreb und Admiral Vladivostok gibt es gelockerte Ausnahmeregeln, alle anderen Vereine müssen die „Fünf-Ausländer-Regel“ einhalten. Dass macht diese Plätze in den Augen der Klubverantwortlichen wesentlich begehrter. Das durfte zuletzt Lauris Darzins erleben, dessen Vertrag mit Traktor Chelyabinsk aufgekündigt wurde, weil er als Ausländer verletzt war und somit einen Platz blockiert hat. Das hört sich bei Trainer Valeri Belousov so an: „Lauris was taking up a valuable foreign player spot. If he had Russian citizenship, we would wait for as long as we needed to, but the limit on foreigners forced us to do this.“

Um diese Ausländerregelung ging es heute bei einem von der KHL anberaumten Treffen der Klubvertreter. Ob und wie die Regel geändert wird, steht noch nicht fest, aber es gibt immerhin schon Vorschläge wie sie zukünftig aussehen wird. Die einfachste Variante wäre, alles beim Alten zu belassen.

Eine weitere Option wäre, die Quote auf sieben Ausländer zu erhöhen. Die neue Regel würde, wenn überhaupt, erst nächste Saison eingeführt. Ich bin mir sicher, dass bis dahin auch Platz Nummer 6 und 7 vergeben wurden und sich die Klubs einen achten Platz wünschen. Ähnlich wie beim Einzug in eine größere Wohnung oder beim Kauf einer größeren Handtasche – sobald man mehr Platz hat, wird dieser auch gebraucht. Viele Klubvertreter sind sich dessen sicher auch bewusst. Und die Klubs am unteren Ende der Spielerbudgets wissen, dass das Konkurrieren mit den superreichen Klubs wie SKA damit nicht leichter wird. Und wer seine Eishalle am Arsch der Welt gebaut hat (hallo, Amur! hallo, Vladivostok!), der hat dann das Nachsehen. Aber diese Probleme gibt es ja jetzt schon.

Eine dritte Variante, die bei dem Treffen ebenfalls besprochen wurde, ist da schon interessanter und vor allem auch weitgreifender. Danach würden nur die Spieler als Ausländer gelten, die nicht aus KHL-Ländern stammen. Davon ausgeschlossen sind damit Russland, Lettland, Weißrussland, Ukraine, Kasachstan, Kroatien, Tschechien, Slovakien und Finnland (mit Jokerit, die nächste Saison beitreten werden). Ein wenig wie EU-Ausländer und Nicht-EU-Ausländer.

Bis jetzt war es so, dass die nicht-russischen Klubs mindestens fünf Spieler haben mussten, die die Nationalität des jeweiligen Landes haben. Ob diese Regelung wegfallen würde, ist mir nicht bekannt. Ausgerechnet, Russland, muss man da wohl sagen. Ein Vielvölkerstaat, der noch vor 20 Jahren heute unabhängige Staaten wie Lettland, Kasachstan, Ukraine und Weißrussland unter dem großen Dach mit der Aufschritt Sowjetunion vereint hat. Spieler wie Sandis Ozolinsh und Leo Komarov sind in der Sowjetunion geboren worden. Sergei Mozyakin ebenfalls. Drei Spieler, eine gemeinsame Herkunft und drei verschiedene Nationalitäten. Oder vielleicht nur drei verschiedene Reisepässe? Wer kann schon sagen, in wie fern Komarovs finnische Staatsbürgerschaft für ihn auch Zugehörigkeit darstellt? Was geht in jemanden wie Nathan Perkovich vor, der in Kanada als adoptiertes Kind aufgewachsen ist und die kroatische Staatsbürgerschaft angenommen hat?

credit: traktor.ru Dargestellt - Lauris Dārziņš, ebenfalls in der Sowjetunion geboren

credit: traktor.ru Dargestellt – Lauris Dārziņš, ebenfalls in der Sowjetunion geboren

Ich halte es für fundamental falsch, einen Spieler für seine Nationalität zu bestrafen oder zu belohnen. Sollte die europäische Ausdehnung der KHL wirklich als Maßstab benutzt werden? Es würde alle Amerikaner, Kanadier, Schweden und Deutsche trotzdem auf die fünf Ausländerplätze verbannen. Als Ausländer muss man Leistungsträger sein, sonst wird man ganz schnell mit einem anderen Ausländer ausgetauscht. Das ganze ist eine selbstgebaute Falle, bei der der Spieler ein Risiko eingeht, indem er den Job annimmt, da er nie weiß, ob die Qualität seines Spiels dem Anspruch der Verantwortlichen genügt. Ob sie überhaupt den Ausschlag gegeben hat. Die Klubmanager wiederum sehen sich in der Zwangslage, diese Ausländerstellen irgendwie zu besetzen. Niemand sagt, dass Ausländer in einem KHL-Klub spielen müssen, aber alle anderen machen’s. Also muss man die höheren Spielergehälter (ob die nun tatsächlich gezahlt werden, steht auf einem anderen Blatt) irgendwie rechtfertigen. Die Ausländer müssen funktionieren wie ein schweizer Uhrwerk. Und das schafft auf allen Seiten Probleme.

Und dank der neuen Regel würden die Ausländer nicht mal alle in einem Boot sitzen. Also in einem Boot sitzen sie schon, aber einige müssen im Unterdeck bei erhöhter Ertrinkungsgefahr hocken. Rudern müssen aber alle.

credit: br.de Dargestellt "Olympias" - würde dank griechischer Flagge nach den neuen Regeln unter "Nicht-KHL-Ausländer" fallen

credit: br.de
Dargestellt Dreiruderer „Olympias“ – würde dank griechischer Flagge nicht von der neuen Ausländerregelung der KHL profitieren

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